Elder M. Russell Ballard
vom Kollegium der Zwlf Apostel
Meine Brder und Schwestern, vor einigen Wochen wurden mir beide Kniegelenke bei einem chirurgischen Eingriff ersetzt. Wenn ich also sage, dass ich dankbar bin, heute vor Ihnen zu stehen, ist das kein leeres Gerede. Whrend der Genesungszeit bin ich daran erinnert worden, wie gesegnet wir doch sind, dass wir vom Shnopfer Jesu Christi wissen. Ich bin berwltigt, wenn ich ber die Schmerzen und das Leid nachdenke, die er fr uns in Getsemani und am Kreuz ertragen hat. Ich kann nicht begreifen, wie er das ausgehalten hat. Aber ich danke ihm, und ich liebe ihn mehr, als Worte es ausdrcken knnen.
Ich danke auch Prsident Hinckley, und zwar dafr, dass ich mit ihm am Geburtsort des Propheten Joseph Smith weilen durfte. Joseph Smith haben wir viel zu verdanken. Ohne die Wiederherstellung wrden wir nichts ber das wahre Wesen Gottes, unseres himmlischen Vaters, oder ber unser eigenes gttliches Wesen als seine Kinder wissen. Wir wrden nicht verstehen, dass wir ewig existieren, noch wrden wir wissen, dass die Familie fr immer zusammen sein kann.
Es wre uns nicht bewusst, dass Gott auch heute zu seinen Propheten spricht, angefangen bei der wunderbaren ersten Vision, in der der Vater und der Sohn dem Propheten Joseph Smith erschienen sind. Wir htten nicht die trstliche Gewissheit, dass wir durch einen Propheten, Prsident Gordon B. Hinckley, gefhrt werden.
Ohne die Wiederherstellung wrden wir wahrscheinlich annehmen, dass das Wort Gottes in seiner Ganzheit in der Bibel zu finden ist. So wertvoll und wunderbar diese heilige Schrift auch ist, so wssten wir doch nichts vom Buch Mormon und anderen Schriften der Letzten Tage, die uns ewige Wahrheiten lehren, die uns helfen, dem himmlischen Vater und dem Erretter nher zu kommen.
Ohne die Wiederherstellung htten wir nicht die Segnungen der heiligen Handlungen des Priestertums, die fr Zeit und Ewigkeit gltig sind. Wir wssten weder von den Bedingungen fr die Umkehr, noch verstnden wir die Tatsache der Auferstehung. Der Heilige Geist wre nicht unser stndiger Begleiter.
Wenn wir wirklich verstehen, was fr ein gro?er Segen das Evangelium Jesu Christi in unserem Leben ist, wenn wir diese ewigen Wahrheiten annehmen und uns zu Eigen machen und zulassen, dass sie uns tief in Herz und Seele dringen, dann erleben wir eine mchtige Wandlung (Alma 5:14) im Herzen. Wir sind von Liebe und Dankbarkeit erfllt. Wie der Prophet Alma schrieb, ist uns zumute, als sollten wir fr alle, die ihn hren wollen, den Gesang der erlsenden Liebe singen (Alma 5:26).
O dass ich ein Engel wre, sagt Alma, und mein Herzenswunsch wahr wrde, dass ich hinausgehen und mit der Posaune Gottes sprechen knnte, mit einer Stimme, die die Erde erschttert, und jedes Volk zur Umkehr rufen knnte.
Ja, ich wrde einer jeden Seele den Plan der Erlsung verknden, dass sie umkehren und zu unserem Gott kommen sollen, damit es auf dem Antlitz der ganzen Erde kein Leid mehr gebe. (Alma 29:1,2.)
So sollte es auch mit uns sein, meine Brder und Schwestern. Unsere Liebe zum Herrn und unsere Dankbarkeit fr die Wiederherstellung des Evangeliums ist alles, was wir an Motivation brauchen, um andere an dem teilhaben zu lassen, was uns viel Freude und Glck bereitet. Das ist fr uns die natrlichste Sache der Welt, und doch zgern viel zu viele von uns, anderen ihr Zeugnis zu geben.
berall in der Welt reagieren Missionare auf diese Freude, die ihnen das Zeugnis gibt, indem sie anderen Menschen das Evangelium bringen. Viele von ihnen kommen mit ihrer eigenen markierten und sorgfltig gelesenen Ausgabe der Anleitung Verkndet mein Evangelium! in die Missionarsschule. Es freut mich, Ihnen berichten zu knnen, dass sie durch die Verwendung dieser Anleitung immer besser befhigt werden, mit eigenen Worten und mit der Macht des Geistes zu lehren und ihre Lektionen den Bedrfnissen der Menschen, die sie belehren, anzupassen. So nehmen sie gro?en Einfluss auf das Leben vieler Menschen.
Was sie nun brauchen, sind, ganz offen gesagt, mehr Menschen zum Belehren. Erfahrungsgem? ergeben sich die besten Situationen zum Belehren, wenn unsere Mitglieder sich am Finden und Belehren beteiligen. Das ist nichts Neues das haben Sie schon frher gehrt. Manche von Ihnen fhlen sich vielleicht sogar schuldig, weil sie den Missionaren nicht viel helfen.
Heute fordere ich Sie auf, sich zu entspannen und Ihre Bedenken beiseite zu legen. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die Liebe, die Sie fr den Herrn empfinden, auf Ihr Zeugnis von seiner ewigen Existenz und auf Ihre Dankbarkeit fr alles, was er fr Sie getan hat. Wenn Sie wirklich durch Liebe, Ihr Zeugnis und Dankbarkeit motiviert sind, werden Sie ganz natrlich alles tun, was Ihnen mglich ist, um dem Herrn dabei zu helfen, die Unsterblichkeit und das ewige Leben (Mose 1:39) der Kinder unseres Vaters zustande zu bringen. In der Tat wre es unmglich, Sie davon abzuhalten.
Der Erretter selbst hat uns den Weg gezeigt, als er seine Jnger aufforderte, zu kommen und zu sehen, wo er wohnte, und [sie] blieben jenen Tag bei ihm (Johannes 1:39). Warum, meinen Sie, hat er das getan? Der Bericht in der Schrift erlutert nicht, warum er es tat. Aber ich bin sicher, dass es nichts mit Bequemlichkeit zu tun hatte. So wie er es immer tat, lehrte er. Wie htte er seine Jnger besser belehren knnen, als sie zu sich einzuladen, damit sie seine gro?artige Botschaft aus erster Hand sehen und erleben konnten.
Auf die gleiche Weise kann unser Zuhause ein Ort sein, an dem wir das Evangelium an Menschen, die wir kennen und lieben, weitergeben, wenn sie zu uns kommen und das Evangelium aus erster Hand in Wort und Tat erleben. Wir knnen das Evangelium ohne formelle Lektion weitergeben. Unsere Familie kann unsere Lektion sein und der Geist, der von unserem Zuhause ausgeht, unsere Botschaft.
Ein Zuhause zu haben, in dem man das Evangelium weitergibt, wird nicht nur denjenigen, die wir zu uns einladen, ein Segen sein, sondern auch denen, die darin leben. Wenn wir in solch einem Zuhause leben, wird unser Zeugnis strker, und unser Verstndnis vom Evangelium nimmt zu. Im Buch Lehre und Bndnisse steht, dass uns unsere Snden vergeben werden knnen, wenn wir einem anderen dabei helfen, umzukehren (siehe LuB 62:3). Wir finden gro?e Freude, wenn wir anderen helfen, zu Christus zu kommen und die erlsende Macht seiner Liebe zu spren (siehe LuB 18:14-16). Unsere Familie wird gesegnet, wenn das Zeugnis und der Glaube der Eltern und auch der Kinder strker werden.
In einem Zuhause, in dem das Evangelium weitergegeben wird, beten wir um Fhrung fr uns selbst, und wir beten fr das krperliche und geistige Wohlergehen anderer. Wir beten fr die Menschen, die von den Missionaren belehrt werden, fr unsere Bekannten und fr diejenigen, die nicht unserer Kirche angehren. Zur Zeit Almas htte man sich in einem solchen Zuhause in Fasten und mchtigem Beten fr das Wohlergehen der Seele derer , die Gott nicht kannten, vereint (Alma 6:6).
Ein Zuhause zu schaffen, in dem das Evangelium an andere weitergegeben wird, ist die einfachste und wirksamste Art, anderen das Evangelium mitzuteilen. Und wir sprechen nicht nur von dem klassischen Zuhause mit einer Familie, die aus Eltern besteht, die mit ihren Kindern zusammenwohnen. Studenten knnen ein Zuhause schaffen, in dem das Evangelium weitergegeben wird, wenn sie die Wnde in ihrer Wohnung mit Bildern schmcken, die Geistiges darstellen statt der Dinge der Welt. ltere Ehepaare und alleinstehende Mitglieder geben ein Beispiel fr solch ein Zuhause, wenn sie neue Nachbarn willkommen hei?en und sie einladen, in die Kirche zu kommen und sie zu Hause zu besuchen.
In einem solchen Zuhause spielen die Kinder aus der Nachbarschaft gerne, wobei es sich ganz natrlich ergibt, sie und ihre Familie in die Kirche, zum Familienabend oder zu irgendeiner anderen Unternehmung einzuladen. Teenager, die ein solches Zuhause besuchen, scheuen sich nicht, Fragen zu stellen oder mit der Familie zu beten.
Ein Zuhause, in dem das Evangelium an andere weitergegeben wird, ist ganz normal. Vielleicht ist es nicht immer blitzblank sauber, und die Kinder benehmen sich nicht tadellos. Aber es ist ein Ort, an dem die Familienmitglieder sich offensichtlich lieb haben, und wer zu Besuch kommt, fhlt den Geist des Herrn.
Wenn wir schon darber sprechen, was ein Zuhause ist, in dem das Evangelium weitergegeben wird, ist es vielleicht auch hilfreich, auf einiges hinzuweisen, was ein solches Zuhause nicht ist.
Ein Zuhause, in dem man das Evangelium weitergibt, ist kein Programm. Es ist eine Lebensweise. Ein Zuhause zu schaffen, in dem man das Evangelium weitergibt, bedeutet, Freunde und Nachbarn in den stndigen Strom von Unternehmungen der Familie und der Kirche mit einzubeziehen. Wenn wir unsere Freunde einladen, mit uns an diesen Unternehmungen teilzunehmen, werden auch sie den Geist spren.
Ein solches Zuhause zu schaffen hei?t nicht, dass wir viel Zeit investieren mssen, um Freunde zu finden und vorzubereiten, damit wir ihnen das Evangelium bringen knnen. Diese Freundschaften werden sich ganz natrlich ergeben, und wenn wir von Anfang an offen ber unsere Mitgliedschaft in der Kirche reden, knnen wir leicht Gesprche ber das Evangelium in die Beziehung einbringen, ohne gro? Gefahr zu laufen, missverstanden zu werden. Freunde und Bekannte werden akzeptieren, dass dies ein Teil von uns ist, und sie werden von sich aus Fragen stellen.
Ein Zuhause, in dem man das Evangelium weitergibt, zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Menschen sich aufgrund unseres Umgangs mit ihnen der Kirche anschlie?en. Wir haben die Gelegenheit und die Pflicht, uns zu kmmern, zu informieren, Zeugnis zu geben und einzuladen. Dann mssen wir dem Einzelnen gewhren, seine eigene Entscheidung zu treffen.
Wir sind gesegnet, wenn wir jemandem die Mglichkeit gegeben haben, sich mit der Wiederherstellung zu befassen, ungeachtet dessen, was dabei herauskommt.
Zumindest haben wir eine lohnende Beziehung zu jemandem, der einen anderen Glauben hat, und wir knnen weiterhin seine Freundschaft genie?en.
In einem Zuhause, in dem das Evangelium weitergegeben wird, beten wir nicht nur fr die Gesundheit, die Sicherheit und den Erfolg unserer Missionare in der ganzen Welt. Wir beten auch fr unsere eigenen missionarischen Erlebnisse und Gelegenheiten und dafr, dass wir bereit sind, diesen Eingebungen zu folgen, wenn wir sie erhalten. Und ich verspreche Ihnen: Sie werden sie erhalten.
Vor ber 20 Jahren habe ich gesagt, dass der Schlssel zu erfolgreicher Missionsarbeit fr die Mitglieder darin liegt, dass sie Glauben ausben. Eine Mglichkeit, wie Sie Ihren Glauben an den Herrn und an seine Verhei?ungen zeigen knnen, ist, dass Sie gebeterfllt ein Datum setzen, bis zu dem Sie jemanden darauf vorbereitet haben wollen, sich mit den Missionaren zu treffen. Ich habe hunderte Briefe von Mitgliedern erhalten, die ihren Glauben auf diese einfache Art ausgebt haben. Auch wenn eine Familie niemanden im Sinn hatte, dem sie das Evangelium bringen konnte, setzte sie ein Datum, betete und sprach dann mit vielen weiteren Menschen. Der Herr ist der gute Hirte, und er kennt seine Schafe, die bereit sind, seine Stimme zu hren. Er wird uns fhren, wenn wir um seine gttliche Hilfe bei der Verbreitung seines Evangeliums bitten.
Eine Schwester in Frankreich wurde nach dem Geheimnis ihres Erfolges gefragt. Sie sagte: Ich gebe einfach meine Freude weiter. Ich gehe mit jedem so um, als wre er bereits ein Mitglied der Kirche. Wenn ich neben jemandem in einer Schlange anstehe und ein Gesprch anfange, erzhle ich, wie gut mir die Kirchenversammlungen am Sonntag gefallen haben. Wenn meine Kollegen mich fragen: Was hast du an diesem Wochenende gemacht?, gehe ich nicht von Samstagabend auf Montagmorgen ber. Ich erzhle ihnen, dass ich in die Kirche gegangen bin, was gesagt wurde und was ich mit mit den Heiligen erlebt habe. Ich spreche davon, wie ich lebe, was ich denke und was ich fhle.
In einem Zuhause, in dem das Evangelium weitergegeben wird, sprechen wir im Familienrat und in Unterhaltungen ber unsere missionarischen Bemhungen. Eine glubige Familie unterhielt sich einmal darber, dass jedes Familienmitglied ein Vorbild sein muss. Der Sohn hatte einen Trainer in seiner Schulmannschaft, der kein Mitglied der Kirche war. Dieser sandte spter eine Spende an die Kirche. Warum? Weil dieser junge Mann ihn beeindruckt hatte durch seinen Mut, seine Meinung zu sagen und seine Mannschaftskameraden aufzufordern, keine schmutzigen Ausdrcke zu gebrauchen. Es gibt Tausende von Erlebnissen, die man erzhlen knnte, wo Menschen sich der Kirche angeschlossen haben aufgrund des Geistes und der Einstellung, die sie im Leben von jemandem beobachtet haben, der aus einem Zuhause stammt, in dem das Evangelium an andere weitergegeben wird.
Literatur oder DVDs der Kirche knnen neue Freunde mit der Kirche bekannt machen. Eine Einladung, die Ansprache eines Familienmitglieds in der Abendmahlsversammlung anzuhren oder den Taufgottesdienst fr ein Familienmitglied zu besuchen oder zu einer Fhrung durch das Gemeindehaus, ist schon bei vielen gut angekommen, die nicht der Kirche angehren. Alles weist darauf hin, dass es nichts Wirksameres gibt, was jeder von uns tun kann, als unsere Freunde einzuladen, zu kommen und zu sehen, indem sie mit uns die Abendmahlsversammlung besuchen. Viel zu viele wissen nicht, dass sie bei unseren Gottesdiensten willkommen sind.
Natrlich untersttzen wir alle die Fhrer der Gemeinde und helfen, dass der Gemeindemissionsplan Erfolg hat. Unabhngig davon, welche Berufung wir in der Kirche haben, helfen wir den Fhrungskrften des Priestertums und der Hilfsorganisationen, die Missionare zu untersttzen, begr?en Besucher und beziehen sie mit ein und kmmern uns um neue Mitglieder. Sie knnen die Missionare bitten, Ihnen ihren Tagesplaner zu zeigen, damit Sie sehen knnen, wie Sie ihnen am besten dabei helfen knnen, ihre Ziele zu erreichen. Wenn wir zusammenarbeiten, werden unsere Kapellen, Klassenrume und Mehrzweckhallen mit dem Geist unseres Zuhauses, in dem ja das Evangelium an andere weitergegeben wird, berflutet.
Ich gebe Zeugnis, dass der Herr uns fhren wird, damit wir Zehntausende Kinder des himmlischen Vaters finden, die bereit sind, das Evangelium kennen zu lernen, wenn wir nur einige dieser einfachen Dinge tun. Unsere Liebe zum Herrn, unser Dank fr sein Shnopfer und seine Mission, alle zu sich zu ziehen, mssten fr uns gengend Motivation sein, um das Evangelium mit Erfolg an andere weitergeben zu knnen.
Mge der Herr Sie, meine Brder und Schwestern, mit gr?erem Glauben und Vertrauen in ihn segnen, wenn Sie auf die Menschen der Welt zugehen, um ihnen nahe zu bringen, dass das Evangelium Jesu Christi wiederhergestellt wurde. Darum bete ich demtig im Namen Jesu Christi. Amen.