Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

176th Annual General Conference, April 2006

Treu in dem Glauben

Prsident Thomas S. Monson
Erster Ratgeber in der Ersten Prsidentschaft

Lassen Sie uns hier und jetzt beschlie?en, dass wir dem geraden Weg folgen, der zurck zu unser aller Vater fhrt.

Vor vielen Jahren hatte ich bei einem Auftrag auf den schnen Inseln von Tonga die besondere Gelegenheit, die Liahona Highschool, eine Schule unserer Kirche, zu besuchen, wo unsere Jugendlichen von Lehrern, die den gleichen Glauben haben, Schulung des Verstandes und Vorbereitung frs Leben erhalten. Als ich ein Klassenzimmer betrat, fiel mir auf, wie gebannt die Kinder ihrem einheimischen Lehrer zuhrten. Lehrer und Schler hatten ihre Bcher geschlossen auf den Tischen liegen. In der Hand hielt er einen seltsam aussehenden Angelkder, der aus einem runden Stein und gro?en Muscheln hergestellt war. Dies, so erfuhr ich, war ein maka-feke, eine Tintenfisch-Falle. In Tonga ist Tintenfischfleisch eine Delikatesse.

Der Lehrer erklrte, dass die tongaischen Fischer ber ein Riff gleiten, ihre Auslegerkanus mit einer Hand paddeln und mit der anderen den maka-feke ber den Rand hngen lassen. Ein Tintenfisch schie?t aus seiner Felsenhhle und schnappt sich den Kder, den er fr eine begehrenswerte Mahlzeit hlt. Der Griff des Tintenfischs ist so hartnckig und sein Instinkt so fixiert darauf, die begehrte Beute nicht loszulassen, dass der Fischer ihn direkt ins Boot holen kann.

Es war fr den Lehrer ein einfacher bergang, die eifrigen und aufmerksamen Kinder darauf hinzuweisen, dass der Bse – nmlich der Satan – so genannte maka-fekes hergestellt hat, mit denen er ahnungslose Menschen verfhren und ihr Schicksal in die Hand nehmen will.

Heutzutage sind wir von maka-fekes umgeben, die der Bse uns in Aussicht stellt und mit denen er versucht, uns anzulocken und dann zu verfhren. Hat man so einen maka-feke erst einmal ergriffen, ist es umso schwerer – und manchmal fast unmglich – ihn wieder loszulassen. Um sicher zu sein, mssen wir ihn als das, was er ist, erkennen und dann standhaft entschlossen bleiben, ihn zu meiden.

Stndig ist der maka-feke der Unsittlichkeit vor uns. Wohin wir uns auch wenden – fast berall gibt es Menschen, die uns glauben machen wollen, dass das, was frher als unmoralisch galt, jetzt annehmbar sei. Da muss ich an die Schriftstelle denken: „Weh denen, die Bses gut und Gutes bse nennen, die Finsternis als Licht und Licht als Finsternis hinstellen.“1 Genau das ist der maka-feke der Unsittlichkeit. Im Buch Mormon werden wir daran erinnert, dass Keuschheit und Tugend wertvoller sind als alles andere.

Wenn Versuchungen kommen, sollten wir an den weisen Rat des Apostels Paulus denken, der sagte: „Noch ist keine Versuchung ber euch gekommen, die den Menschen berfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr ber eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen knnt.“2

Als Nchstes lockt uns der Bse mit dem maka-feke Pornografie. Er will uns glauben machen, dass das Betrachten von Pornografie ja eigentlich niemandem schadet. Wie gut passt da doch Alexander Popes Klassiker Essay vom Menschen:

Das Laster ist grausam, es lsst dich erblassen,
du musst es nur sehen, um es zu hassen.
Doch nimmst du sein Angesicht hufig in Kauf,
wird Leid dir zu Mitleid und froh nimmst du’s auf.3

Einige Verleger und Drucker prostituieren ihre Pressen, indem sie tglich pornografisches Material in Millionenauflage drucken. Es wird an nichts gespart, um ein Produkt herzustellen, das garantiert angesehen und wieder angesehen wird. Eine der zugnglichsten Quellen fr Pornografie ist heutzutage das Internet; man schaltet nur den Computer an und hat sofort Zugriff auf zahllose Seiten mit pornografischem Inhalt. Prsident Gordon B. Hinckley hat gesagt: „Leider spielt sich das wohl bei einigen von Ihnen zu Hause ab. Das ist verwerflich. Es ist unanstndig und schmutzig. Es ist verlockend und macht schtig. Es fhrt [Sie] so sicher wie irgendetwas auf dieser Welt hinunter zur Vernichtung. Diese widerliche Unmoral macht ihre Ausbeuter reich und ihre Opfer arm.“4

Ebenso verdorben sind die Filmproduzenten, Programmmacher im Fernsehen und die Entertainer, die Pornografie einsetzen. Die Beschrnkungen vergangener Jahre gelten schon lange nicht mehr. Das Ziel ist so genannter Realismus, mit dem Ergebnis, dass wir heute von diesem Schmutz umgeben sind.

Vermeiden Sie alles, was nur den Anschein von Pornografie hat. Es stumpft den Geist ab und unterhhlt das Gewissen. Im Buch Lehre und Bndnisse wird uns gesagt: „Was nicht erbaut, das ist nicht von Gott, sondern ist Finsternis.“5 Das trifft auf Pornografie zu.

Als Nchstes komme ich zum maka-feke der Drogen, zu denen auch der Alkohol gehrt. Bei diesem maka-feke ist es besonders schwer, ihn wieder loszuwerden, wenn man ihn erst einmal ergriffen hat. Drogen und Alkohol trben das Denken, nehmen Hemmungen, zerbrechen Familien, zerstren Trume und verkrzen das Leben. Sie sind berall zu finden und werden der anflligen Jugend absichtlich in den Weg gelegt.

Jeder von uns hat einen Krper, der uns von einem liebevollen himmlischen Vater anvertraut wurde. Uns wurde geboten, fr ihn zu sorgen. Knnen wir unseren Krper absichtlich missbrauchen oder verletzen, ohne dafr zur Rechenschaft gezogen zu werden? Nein! Der Apostel Paulus hat verkndet: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.“6 Mgen wir unseren Krper – unseren Tempel – fit und rein und frei von schdlichen Stoffen halten, die das Wohlergehen von Krper, Verstand und Geist zerstren.

Der letzte maka-feke, den ich heute ansprechen mchte, ist einer, der unsere Selbstachtung vernichtet, Beziehungen zerstrt und uns verzweifelt zurcklsst. Es ist der maka-feke der unm?igen Schulden. Wir Menschen neigen dazu, uns das zu wnschen, was uns Bedeutung und Ansehen bringt. Wir leben in einer Zeit, wo man leicht Geld borgen kann. Wir knnen uns fast alles, was wir uns nur wnschen, mit einer Kreditkarte oder ber einen Kredit kaufen. Besonders beliebt sind Kredite auf das Eigenheim, bei denen man die Summe leihen kann, die dem Wert entspricht, den man in Gtern zu Hause hat. Was uns dabei vielleicht nicht klar ist, ist, dass dieser Kredit auf das Eigenheim einer zweiten Hypothek gleichkommt. Der Tag der Abrechnung wird kommen, wenn wir bestndig ber unsere Verhltnisse leben.

Liebe Brder und Schwestern, leben Sie nicht nach der Devise, dass das, was gestern noch Luxus war, heute schon lebensnotwendig sei. Es wird erst dann eine Notwendigkeit, wenn wir es dazu machen. Viele gehen langfristige Schulden ein und stellen dann fest, dass sich nderungen ergeben: Sie werden krank oder erwerbsunfhig, Firmen gehen Pleite oder verkleinern sich, Arbeitspltze gehen verloren, Naturkatastrophen kommen ber uns. Aus vielen Grnden knnen die Raten fr gro?e Schulden nicht mehr erbracht werden. Unsere Schulden hngen dann wie ein Damoklesschwert ber uns und drohen, uns zu vernichten.

Ich bitte Sie eindringlich, im Rahmen Ihrer Mittel zu leben. Man kann nicht mehr ausgeben, als man verdient, und trotzdem solvent bleiben. Ich verhei?e Ihnen, dass Sie dann glcklicher sein werden, als wenn Sie sich stndig sorgen mssten, wie Sie die nchste Rate fr unntige Schulden begleichen sollen. Im Buch Lehre und Bndnisse lesen wir: „Bezahle die Schulden, die du eingegangen bist. Befreie dich aus der Knechtschaft.“7

Es gibt natrlich noch zahllose andere maka-fekes, mit denen der Bse uns vom Pfad der Rechtschaffenheit locken will. Der himmlische Vater hat uns jedoch das Leben und damit die Fhigkeit gegeben, zu denken, zu berlegen und zu lieben. Wir haben die Macht, jeder Versuchung zu widerstehen, und knnen den Weg, den wir gehen, und die Richtung, die wir einschlagen, bestimmen. Unser Ziel ist das celestiale Reich Gottes. Unser Vorsatz ist es, einen unbeirrbaren Kurs in diese Richtung einzuschlagen.

Alle, die den Weg des Lebens gehen, warnt unser himmlischer Vater: Htet euch vor Umwegen, verborgenen Fallgruben und Fallen. Diese schlau getarnten und listig platzierten maka-fekes verlocken uns, sie zu ergreifen und das zu verlieren, was wir am meisten ersehnen. Lassen Sie sich nicht tuschen. Halten Sie inne, um zu beten. Hren Sie auf die leise, sanfte Stimme, die in der Tiefe unserer Seele die liebevolle Aufforderung des Herrn ausspricht: „Komm und folge mir nach!“8 Wenn wir dies tun, wenden wir uns von der Zerstrung, dem Tod ab und finden Glck und ewiges Leben.

Und doch gibt es diejenigen, die nicht hren, die nicht gehorchen wollen, die den Verlockungen des Bsen lauschen, die nach diesen maka-fekes greifen, bis sie sie nicht mehr loslassen knnen und alles verloren ist. Ich denke an einen dieser Machtmenschen, einen geistlichen Herrn, den Kardinal Wolsey. Die kunstfertige Feder des William Shakespeare beschreibt die majesttischen Hhen und den Gipfel der Macht, zu denen Kardinal Wolsey aufsteigt. Dieselbe Feder beschreibt, wie Grundstze durch eitlen Ehrgeiz, durch Opportunismus und durch die Gier nach Bedeutung und Ansehen ausgehhlt werden. Dann kommt der tragische Niedergang, die schmerzliche Wehklage eines, der alles gewonnen und dann verloren hat.

Kardinal Wolsey sagt zu Cromwell, seinem treuen Diener:

O Cromwell, Cromwell,
htt ich nur Gott gedient mit halb dem Eifer,
den ich dem Knig weiht’, er gbe nicht
im Alter nackt mich meinen Feinden preis!9

Der inspirierte Auftrag, der Kardinal Wolsey htte in Sicherheit bringen knnen, wurde durch das Streben nach Macht und Bedeutung, das Trachten nach Reichtum und Stellung zerstrt. Wie so viele vor ihm und noch viele mehr, die nach ihm kamen, fiel Kardinal Wolsey.

Zu einer frheren Zeit wurde ein Diener Gottes von einem schlechten Knig auf die Probe gestellt. Mit Hilfe himmlischer Eingebung bersetzte Daniel die Schrift an der Wand fr Knig Belschazzar. Hinsichtlich der angebotenen Belohnung – kniglicher Kleidung und einer goldenen Kette – sagte Daniel: „Behalte deine Gaben oder schenk sie einem andern!“10

Darius, ein spterer Knig, hatte ebenfalls Achtung vor Daniel und erhob ihn in die hchste und bedeutendste Stellung. Das rief den Neid der Massen, die Eifersucht von Prinzen und die Rnke ehrgeiziger Mnner hervor.

Aufgrund von Betrgerei und Schmeichelei unterzeichnete Knig Darius ein Dekret, dass jeder, der an irgendeinen Gott oder Menschen, au?er an den Knig, eine Bitte richtete, in die Lwengrube geworfen werde. Es war verboten zu beten. Was das betraf, nahm Daniel keine Weisung von einem irdischen Knig an, sondern nur vom Knig des Himmels und der Erde, seinem Gott. Daniel wurde bei seinem tglichen Gebet ergriffen und vor den Knig gebracht. Dieser sprach zgerlich die Strafe aus. Daniel sollte in die Lwengrube geworfen werden.

Mir gefllt der nun folgende Bericht aus der Bibel sehr:

„Frh am Morgen, als es gerade hell wurde, stand der Knig auf und ging in Eile zur Lwengrube.

Als er sich der Grube nherte, rief er mit schmerzlicher Stimme ...: Daniel, [h]at dein Gott, dem du so unablssig dienst, dich vor den Lwen erretten knnen?

Daniel antwortete ihm:

Mein Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen der Lwen verschlossen. Sie taten mir nichts zuleide

Darber war der Knig hoch erfreut. So wurde Daniel aus der Grube herausgeholt; man fand an ihm nicht die geringste Verletzung, denn er hatte seinem Gott vertraut.“11

Zu der Zeit, da Daniel dringend gttlichen Schutz und einen sicheren Ort fr seine Gottesverehrung brauchte, wurde ihm dies aufgrund seiner Entschlossenheit, treu und glubig zu bleiben, gewhrt.

Die Uhr der Geschichte gibt wie der Sand in der Sanduhr den Verlauf der Zeit wieder. Auf der Bhne des Lebens bewegen sich neue Figuren. Die Probleme der heutigen Zeit zeichnen sich beunruhigend vor uns ab. Wir sind von den Herausforderungen des modernen Lebens umgeben und halten himmelwrts Ausschau nach zuverlssiger Fhrung, damit wir einen klugen und richtigen Kurs festlegen und ihm folgen knnen. Der himmlische Vater wird unser Bittgesuch nicht zurckweisen.

Wenn ich an rechtschaffene Menschen denke, fallen mir schnell Gustav und Margarete Wacker ein. Ich mchte das erklren. Ich lernte die Wackers kennen, als ich 1959 berufen wurde, ber die Kanada-Mission zu prsidieren. Sie stammten aus Deutschland und waren nach Kingston, Ontario, ausgewandert.

Bruder Wacker verdiente seinen Lebensunterhalt als Frisr. Seine Mittel waren begrenzt, aber er und seine Frau zahlten immer mehr als ein Zehntel als Zehnten. Als Zweigprsident richtete Bruder Wacker einen Missionarsfonds ein, und ber Monate hinweg zahlte er als Einziger ein. Wenn in der Stadt Missionare waren, gaben die Wackers ihnen zu essen und kmmerten sich um sie; nie gingen die Missionare aus dem Haus der Wackers ohne eine materielle Spende fr ihre Arbeit und ihr Wohlergehen.

Das Zuhause von Gustav und Margarete Wacker war ein Himmel. Sie waren nicht mit Kindern gesegnet, waren aber fr ihre vielen Besucher von der Kirche wie Mutter und Vater. Gebildete und geistreiche Leute besuchten diese einfachen, ungebildeten Diener Gottes und schtzten sich glcklich, wenn sie eine Stunde in ihrer Gegenwart verbringen durften. Die Wackers sahen ganz gewhnlich aus, ihr Englisch war unsicher und etwas schwer verstndlich, ihr Zuhause ganz schlicht. Sie hatten kein Auto und kein Fernsehen, auch taten sie nichts, worauf die Welt gewhnlich achtet. Und doch kamen die Glaubenstreuen oft zu ihnen, um an dem Geist, der dort herrschte, teilzuhaben.

Im Mrz 1982 wurden Bruder Wacker und seine Frau als Vollzeit-Tempelarbeiter in den Washington-D.C.-Tempel berufen. Am 29. Juni 1983, Bruder Wacker und seine Frau waren noch immer im Tempel ttig, ging Bruder Wackers Erdenleben friedlich zu Ende, und er ging ein zu seinem ewigen Lohn. Seine geliebte Frau war an seiner Seite. Hier passen die Worte: „Wer Gott ehrt, den ehrt Gott.“12

Liebe Brder und Schwestern, lassen Sie uns hier und jetzt beschlie?en, dass wir dem geraden Weg folgen, der zurck zu unser aller Vater fhrt, damit wir die Gabe des ewigen Lebens – des Lebens in der Gegenwart des himmlischen Vaters – erlangen knnen. Sollte es etwas geben, was verndert oder richtig gestellt werden muss, um dies zu erreichen, dann fordere ich Sie auf, sich jetzt darum zu kmmern.

Um es mit einem bekannten Kirchenlied zu sagen: Seien wir immer

treu in dem Glauben, den Eltern uns lehrten,
treu stets der Wahrheit, die Helden begehrten!
Gott zugewandt Aug, Herz und Hand,
standhaft und treu sei stets unser Stand.13

Dass wir alle dies tun, ist mein demtiges Gebet, im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. 2 Nephi 15:20, siehe auch Jesaja 5:20
  2. 1 Korinther 10:13
  3. In John Bartlett, Familiar Quotations, 14. Auflage, 1968, Seite 409
  4. „Gro? wird der Friede deiner Kinder sein“, Liahona, Januar 2001, Seite 62
  5. LuB 50:23
  6. 1 Korinther 3:16,17
  7. LuB 19:35
  8. Lukas 18:22
  9. Heinrich VIII, 3. Akt, 2. Szene, Zeile 454–457
  10. Daniel 5:17
  11. Daniel 6:20-24
  12. Siehe 1 Samuel 2:30
  13. „Treu in dem Glauben“, Gesangbuch, Nr. 166, Text und Musik von Evan Stephens