Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

176th Annual General Conference, April 2006

Segnungen im berma?

Julie B. Beck
Erste Ratgeberin in der JD-Prsidentschaft

Allen glaubenstreuen Mitgliedern werden Segnungen im berma? zuteil, die sie durch die heiligen Handlungen des Priestertums erhalten.

Als in Kirtland die noch fehlenden Schlssel des Priestertums wiederhergestellt wurden, sagte der Herr: „Und das ist der Anfang der Segnung, die meinem Volk auf das Haupt ausgegossen werden wird.“1 Ich bin dankbar fr das berma? an Segnungen, die jedem von uns durch das Priestertum Gottes zuteil geworden sind. Diese Welt mit allem, was es darauf gibt, wir eingeschlossen, wurde durch die Macht des Priestertums erschaffen. Das Priestertum ist unzertrennlich mit unserem Leben verwoben – wer wir sind und was wir sind.2 Als Shne und Tchter Gottes haben wir eine einzigartige Aufgabe und Rolle, und durch die Segnungen des Priestertums sind wir alle gleichwertige Partner; wir haben alle Talente und Segnungen empfangen.

Im letzten Herbst wurde unsere lteste Enkelin getauft und als Mitglied der Kirche konfirmiert. Nachdem sie die Gabe des Heiligen Geistes gespendet bekommen hatte, wurde ihre jngste Schwester gesegnet und erhielt ihren Namen. Im darauf folgenden Monat wurde eine weitere neue Enkelin gesegnet, und auch sie erhielt ihren Namen. Seitdem habe ich oft an die Segnungen gedacht, die diesen kleinen Mdchen zuteil werden, weil das Priestertum Gottes wiederhergestellt worden ist.

Ich hoffe, dass unsere Enkelinnen und Enkel mit dem Wissen aufwachsen, dass sie keine passiven Beobachter des Priestertums sind und es auch niemals waren. Das Priestertum, das „Mann und Frau gleicherma?en“3 zum Segen gereicht, ist unzertrennlich mit allen Aspekten unseres Lebens verwoben. Jedes unserer Enkelkinder ist mit heiligen Handlungen gesegnet, und sie alle knnen durch das Priestertum in den Genuss von geistigen Gaben kommen.

Alle glaubenstreuen Mitglieder der Kirche des Herrn sind im gleichen Ma?e durch die heiligen Handlungen des Priestertums gesegnet. Die erste Verordnung4 im Leben eines Kindes findet statt, wenn es als Baby gesegnet wird und einen Namen erhlt. Das Kind wird getauft, wenn es das Alter der Verantwortlichkeit erreicht hat. Es gibt keine unterschiedliche Taufe fr Jungen und Mdchen. Dieselbe Verordnung wird fr ein Mdchen wie auch fr einen Jungen im gleichen Taufbecken vollzogen. Wenn diese Kinder konfirmiert werden und den Heiligen Geist empfangen, werden sie auch mit der gleichen Macht ausgestattet. Wie sehr sie diese heilige Macht in Anspruch nehmen, ist nur von ihrer Glaubenstreue abhngig.

Als Mitglieder der Kirche sind wir vor Gott gleich, wenn wir vom Abendmahl nehmen. Durch unseren Glauben an Jesus Christus und die Macht des Shnopfers erlaubt uns das Abendmahl, dass wir alle umkehren und besser werden knnen.

Jeder von uns ist im gleichen Ma?e dazu berechtigt, einen Priestertumssegen zu empfangen, wenn wir krank sind oder zustzliche Untersttzung vom Herrn bentigen. Eine Junge Dame, die ihren Patriarchalischen Segen haben mchte, besitzt das gleiche Anrecht, von ihrer Abstammung und ihren Mglichkeiten zu erfahren, wie ein Junger Mann im gleichen Alter. Die Segnungen, die den beiden durch Abraham zuteil werden, sind machtvoll und bedeutsam.

Wir unterweisen alle Jungen Mnner und Jungen Damen, sich darauf vorzubereiten, in den Tempel zu gehen, „um die Segnungen [ihrer] Vter zu erlangen, damit [sie] ein Anrecht auf die hchsten Segnungen des Priestertums haben“.5 Als eine meiner Nichten vor einigen Monaten im Tempel ihr Endowment empfing, rief sie voll Freude: „Ich habe es geschafft! Mein ganzes Leben lang wurde mir gesagt, ich soll mich auf den Tempel vorbereiten, und ich habe es geschafft!“

Alle Mnner und Frauen, die willens sind, dem Herrn zu dienen, und wrdig sind, einen Tempelschein zu bekommen, schlie?en Bndnisse, die ihnen Gehorsam und Opfer abverlangen. Jeder wird mit Macht aus der Hhe ausgerstet.6

Jeder Bruder und jede Schwester, die eine Missionsberufung erhalten, werden eingesetzt, das Werk des Herrn zu verrichten, und jedem wird die Vollmacht bertragen, das Evangelium Christi zu verknden.

Ein Mann und eine Frau, die den Bund der Tempelehe eingegangen sind, empfangen die Segnungen dieses Bundes zu gleichen Teilen, solange sie treu bleiben.7 Der Herr hat gesagt, dass ihr Bund auch nach dem Tod Bestand hat, und dass ihnen zusammen Macht und Erhhung verhei?en ist.8

Prsident Ezra Taft Benson hat gesagt: „Wenn unsere Kinder dem Herrn gehorchen und in den Tempel gehen, um ihre Segnungen zu empfangen, und wenn sie in den Ehebund eintreten, dann treten sie in dieselbe Ordnung des Priestertums ein, die Gott ganz am Anfang mit Vater Adam begrndet hat.“9

Ich habe die Macht des Priestertums erlebt, als ich eine Familie besuchte, in der der junge Vater im Sterben lag. Um ihn herum standen seine Frau und seine hbschen Tchter. An jeder Zimmerwand hing mindestens ein Familienfoto oder ein Foto des Tempels. Die Mutter gab Zeugnis von ihren Segnungen, als sie sagte: „Durch unsere Bndnisse erhalten wir Macht und Schutz. Unsere Familie wird fr immer bestehen. Der Herr wacht ber uns, und wir sind nicht allein.“ Allen glaubenstreuen Mitgliedern werden Segnungen im berma? zuteil, die sie durch die heiligen Handlungen des Priestertums erhalten.

Da das Priestertum wiederhergestellt wurde, sind wir auch gleich, was die geistigen Gaben betrifft. Der Herr gibt uns solche Gaben zum eigenen Nutzen,10 und damit wir anderen von Nutzen sind.11

Moroni erklrt: „Und diese Gaben werden auf verschiedene Weise zuteil; aber es ist derselbe Gott, der alles in allen bewirkt; und sie werden durch die Kundgebungen des Geistes Gottes an die Menschen gegeben, um ihnen zu ntzen.

Denn siehe, dem einen ist es durch den Geist Gottes gegeben, das Wort der Weisheit zu lehren; und einem anderen, durch den gleichen Geist das Wort der Erkenntnis zu lehren; und einem anderen beraus gro?er Glaube; und einem anderen durch den gleichen Geist die Gaben des Heilens.“12

Als ich versucht habe, Spanisch zu lernen und mich an mein Portugiesisch zu erinnern (das ich als Kind sprach), betete ich und sprte die Hilfe des Herrn, wenn ich beide Sprachen sprach. Ich habe andere Fhrer der Kirche und Missionare gehrt, die machtvoll Zeugnis in Sprachen gaben, die sie kaum kannten. Ich kenne Menschen, denen die geistige Gabe des Glaubens gegeben ist. Wenn sie vom Evangelium hren, verspren sie ein Brennen im Herzen. Ich kenne andere, denen die Gabe der Weisheit gegeben ist, oder die Fhigkeit, Wissen rechtschaffen anzuwenden. Einigen ist es gegeben, Wundertaten zu verrichten, einige haben die Gabe des Heilens und wieder andere die Gabe der Unterscheidung.13

Als kleines Mdchen war ich oft schwer krank. Mein Vater war immer bereit und wrdig, mich mit Hilfe der Priestertumsmacht, die er besa?, zu segnen. Ich habe aber auch gesprt, dass die besondere Gabe meiner Mutter zu meiner Genesung beigetragen hat. Sie war wirklich begabt darin, meine Bedrfnisse zu stillen, damit ich gesund werden konnte. Ihr gro?er Glaube, dass der Herr ihr zeigen werde, welche medizinische Behandlung gut fr mich sei, war ein gro?er Trost fr mich. Wie gesegnet ich doch war, Eltern zu haben, die ihre geistigen Gaben so liebevoll einsetzten!

Prsident Wilford Woodruff hat gesagt: „Es ist das Vorrecht eines jeden Mannes und einer jeden Frau in diesem Reich, den Geist der Prophezeiung zu haben. Dies ist der Geist Gottes, und er offenbart den Glaubenstreuen notwendige Dinge, die ihnen Trost spenden und sie im tglichen Leben leiten.“14

Die Segnungen des Priestertums ermglichen jedem – ganz gleich in welcher Berufung er in der Kirche des Herrn eingesetzt ist –, „die Vollmacht, die Verantwortung und auch die Segnungen , die mit diesem Amt verbunden sind,“15 zu empfangen.

Es gibt zahlreiche und ganz verschiedene geistige Gaben. Wenn wir sie erbitten und sachgerecht einsetzen, werden sie uns zuteil werden. Wir erfreuen uns an ihnen durch die Macht des heiligen Geistes, die mit allen Aspekten unseres Lebens unzertrennlich verwoben ist.16

Durch die Segnungen des Priestertums zeigt uns der Herr, dass er „nicht auf die Person [sieht]“.17 Auf meinen Reisen habe ich meist die Gelegenheit, Mitglieder in ihrem Zuhause zu besuchen. Manchmal ist es nur ein ganz schlichtes. Zuerst dachte ich mir: „Warum bin ich mit einem Haus mit Strom und flie?end Wasser gesegnet, whrend diese Familie noch nicht einmal Wasser in der Nhe hat? Liebt der Herr sie weniger als mich?“

Dann sa? ich eines Tages in einem Tempel neben einer Schwester, die in so einem einfachen Haus wohnte. Ich sa? zwei Sunden neben ihr. Ich sah oft in ihre wunderschnen Augen und sah in ihnen die Liebe Gottes. Als wir unsere Arbeit im Tempel getan hatten, kam ich zu dieser gewaltigen Erkenntnis: Was all unsere ewigen Segnungen, unsere wichtigsten Vorzge und Mglichkeiten angeht, waren wir gleich. Genau wie sie hatte ich mich „zur Umkehr taufen lassen“.18 Genau wie sie besa? auch ich geistige Gaben. Genau wie sie hatte auch ich die Mglichkeit zur Umkehr. Genau wie sie hatte auch ich den Heiligen Geist empfangen. Genau wie sie hatte auch ich Tempelverordnungen empfangen. Wenn wir beide in diesem Moment die Welt zusammen verlassen htten, wren wir mit den gleichen Segnungen und dem gleichen Potenzial vor unseren Herrn getreten.

Die Segnungen des Priestertums schaffen den Ausgleich. Diese Segnungen sind dieselben fr Mnner und Frauen, fr Jungen und Mdchen; sie sind dieselben fr Verheiratete und Alleinstehende, fr Reiche und Arme, fr Gebildete und Ungebildete und fr Bekannte und Unbekannte.

Ich bin so dankbar, dass durch die unendliche Gerechtigkeit und Liebe Gottes alle Mnner und Frauen gleichwertige Partner sind und dass sie durch die Verordnungen des Priestertums und geistige Gaben die gleichen Gaben, Segnungen und Mglichkeiten haben. Durch das Priestertum, welches vollkommen und unzertrennlich mit unserem Leben verwoben ist, ist jede Macht und jedes Bndnis, das wir in diesem Leben schlie?en mssen, um zu unserem himmlischen Zuhause zurckkehren zu knnen, auf unser Haupt ausgegossen. Im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. LuB 110:10
  2. Siehe LuB 88:36-45, Abraham 3
  3. Dallin H. Oaks, „Priestertumsvollmacht in der Familie und in der Kirche“, Liahona, November, 2005, Seite 26
  4. Anleitung fr die Familie, Seite 18
  5. Ezra Taft Benson, „Was Sie hoffentlich Ihren Kindern ber den Tempel erzhlen“, Der Stern, April 1986, Seite 6
  6. Siehe LuB 95:8
  7. Siehe LuB 131:1,2
  8. Siehe LuB 132:19,20
  9. Ezra Taft Benson, „Was Sie hoffentlich Ihren Kindern ber den Tempel erzhlen“, Der Stern, April 1986, Seite 6
  10. Siehe LuB 46:26
  11. Siehe LuB 46:12
  12. Moroni 10:8-11
  13. Siehe LuB 46:10-26
  14. Deseret News, 30. Juli 1862, Seite 33
  15. Boyd K. Packer, „Was jeder lteste – und ebenso jede Schwester – wissen muss: Eine Einfhrung in die Grundstze der Priestertumsregierung“, Der Stern, November 1994, Seite 21
  16. Siehe Moroni 10:7-17
  17. LuB 38:16
  18. Alma 9:27