Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

176th Annual General Conference, April 2006

Eine knigliche Priesterschaft

Prsident James E. Faust
Zweiter Ratgeber in der Ersten Prsidentschaft

Dadurch, dass wir das Priestertum tragen, werden uns gro?e Segnungen zuteil. Mit dem Priestertum sind aber auch gro?e Pflichten verknpft.

Meine lieben Brder, es ist immer ein gro?er Vorzug und eine gro?e Verantwortung, zu den Priestertumstrgern der Kirche zu sprechen. Dies ist mglicherweise die gr?te Versammlung von Priestertumstrgern, die es je gab. Ich mchte heute zu euch jungen Mnnern darber sprechen, wie gesegnet ihr seid, das Aaronische Priestertum tragen zu drfen, welches auch das „geringere Priestertum“ genannt wird. Aber das Wort geringer schmlert seine Bedeutung in keinster Weise. An ihm ist nichts Kleines – besonders, wenn ich sehe, wie gro? einige von euch sind!

Ich bin mir sicher, dass ihr euch noch erinnern knnt, wie aufgeregt ihr wart, als ihr das erste Mal das Abendmahl ausgeteilt habt. Weil ihr Trger des Aaronischen Priestertums fr das Vorbereiten, Segnen und Austeilen des Abendmahls verantwortlich seid, helft ihr allen Mitgliedern, die davon nehmen, sich aufs Neue dem Herrn gegenber zu verpflichten und ihren Glauben an das Shnopfer des Erretters zu erneuern. Nimmt ein Mitglied vom Abendmahl, wird es daran erinnert, den Namen des Sohnes auf sich zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten, damit sein Geist immer mit ihm sei. Ich hoffe, dass ihr das Priestertum, welches ihr tragt, schtzt und stets eure Priestertumspflichten ehrt.

Ich habe krzlich den Bericht ber ein paar Diakone gelesen, die etwas nachlssig in ihrer Einstellung gegenber dem Austeilen des Abendmahls geworden waren. Sie fingen an, es als eine lstige Pflicht anzusehen, als etwas, was kein anderer tun wollte. Sie kamen oft zu spt und waren auch manchmal nicht dem Anlass entsprechend gekleidet. Eines Sonntags sagte der AP-Berater zu ihnen: „Ihr braucht euch heute nicht um das Abendmahl zu kmmern. Dafr ist schon gesorgt.“

Sie waren natrlich berrascht, dies zu hren, aber wie gewhnlich kamen sie zu spt zur Abendmahlsversammlung. Sie schlichen sich whrend des Anfangsliedes hinein und setzten sich in eine Reihe. Dann sahen sie, wer auf der Bank fr die Diakone sa? – ihr AP-Berater und die Hohen Priester der Gemeinde, unter ihnen ehemalige Bischfe und der ehemalige Pfahlprsident. Sie trugen alle einen dunklen Anzug, ein wei?es Hemd und eine Krawatte. Vor allem aber verhielten sie sich absolut ehrfrchtig, als sie mit dem Abendmahlsgeschirr durch die Reihen gingen. An dem Tag wirkte das Abendmahl inniger und bedeutsamer. Diese Diakone, die so nachlssig in ihren Pflichten geworden waren, lernten durch dieses Beispiel, dass das Austeilen des Abendmahls eine heilige Aufgabe und eine der gr?ten Ehren ist.1 Ihnen wurde bewusst, dass das Priestertum, wie der Apostel Petrus es nennt, eine „knigliche Priesterschaft“2 ist.

Gewhnlich hat das Aaronische Priestertum, auf Weisung der Bischofschaft, die Aufgabe, sich um das Abendmahl zu kmmern und es auszuteilen. In unserer Gemeinde hier in Salt Lake City haben wir viele treue, ltere Mitglieder, aber nur wenige im AP-Alter. ber Jahre hinweg habe ich diese Hohen Priester und ltesten, Mnner mit Glauben, die schon viel erreicht haben, beobachtet, wie sie demtig und ehrfrchtig das Abendmahl des Herrn austeilen. Fr eine Weile gehrten zu dieser Gruppe von Priestertumstrgern ein ranghoher Bundesrichter, ein Anwrter auf das Amt des Gouverneurs des Staates Utah und andere prominente und wichtige Mnner. Dennoch empfanden sie es als Ehre und Vorzug, diese heilige Priestertumspflicht auszuben.

Das Aaronische Priestertum ist eine gro?e Gabe an geistiger Macht, die der Herr auf Aaron und seine Shne bertragen hat.3 Es beinhaltet „den Schlssel des Dienstes von Engeln und des vorbereitenden Evangeliums“4 sowie das Evangelium „der Umkehr und der Taufe durch Untertauchen zur Sndenvergebung“.5

Ich mchte nun einige Worte ber den Dienst von Engeln sagen. In alter wie auch in neuer Zeit sind Engel erschienen und haben belehrt, gewarnt und den Weg gewiesen, was fr die besuchten Menschen stets von Vorteil war. Uns ist nicht bewusst, in welchem Ausma? Engel auf unser Leben Einfluss nehmen. Prsident Joseph F. Smith hat gesagt: „Gleicherma?en mag unseren Vtern und Mttern, Brdern, Schwestern und Freunden, die von dieser Welt gegangen sind und die treu waren und wrdig, sich solcher Rechte und Vorzge zu erfreuen, ein Auftrag erteilt worden sein, ihre Verwandten und Freunde auf Erden abermals zu besuchen und denen, die sie einst im Fleische lieb gewonnen hatten, eine Botschaft aus der Gegenwart Gottes zu berbringen – aus Liebe, zur Warnung, zum Tadel oder zur Belehrung.“6 Viele von uns haben den Eindruck, dass sie so etwas schon erlebt haben. Der Dienst von Engeln war und ist ein wichtiger Teil des Evangeliums. Engel halfen Joseph Smith, als er das Evangelium in seiner Flle wiederhergestellt hat.

Alma der Jngere hat etwas mit dienenden Engeln erlebt. Als junger Mann zhlte er zu einer Gruppe von Unglubigen und verfhrte „viele vom Volk, nach der Weise seiner beltaten zu handeln“. Eines Tages, „whrend er umherging, die Kirche Gottes zu vernichten, denn er ging mit den Shnen Mosias heimlich umher, da erschien ihnen der Engel des Herrn; und er kam wie in einer Wolke herab; und er sprach wie mit einer Donnerstimme, die die Erde erbeben lie?.“ Dann rief der Engel: „Alma, erhebe dich und tritt vor, denn warum verfolgst du die Kirche Gottes?“

Alma war davon so berwltigt, dass er ganz schwach wurde und zu seinem Vater getragen werden musste. Erst nachdem sein Vater und andere zwei Tage lang gefastet und gebetet hatten, erhielt Alma seine volle Gesundheit und Kraft zurck. Dann stand er auf und erklrte: „Ich bin von meinen Snden umgekehrt und bin vom Herrn erlst worden; siehe, ich bin aus dem Geist geboren.“7 Alma wurde daraufhin einer der gr?ten Missionare im Buch Mormon. Dennoch sprach er in all seinen Jahren der Missionsarbeit niemals ber den Besuch des Engels. Stattdessen beschloss er zu verknden, dass ihm die Wahrheit vom Heiligen Geist kundgetan worden war.

Von einem Engel unterwiesen zu werden, wre ein gro?er Segen. Wie wir von Alma jedoch wissen, trat die endgltige Bekehrung bei ihm erst ein, nachdem er „viele Tage gefastet und gebetet“ hatte.8 Die vollstndige Bekehrung kam ber den Heiligen Geist, den wir alle in Anspruch nehmen drfen, falls wir dessen wrdig sind.

Wunder sind jedoch nicht immer eine Garantie fr die Bekehrung. Als beispielsweise Laman und Lemuel ihre jngeren Brder krperlich misshandelten, erschien ein Engel und gebot ihnen, damit aufzuhren. Der Engel versicherte auch allen Brdern, dass Laban in ihre Hand gegeben werde. Nephi hatte Glauben und forderte die Messingplatten von Laban. Laman und Lemuel andererseits hatten weder den Glauben noch nderte sich ihr Verhalten nach dem Besuch des Engels. Nephi wies sie darauf hin: „Wie kommt es, dass ihr vergessen habt, dass ihr einen Engel des Herrn gesehen habt?“9

Ihr jungen Mnner seid dabei, euer Zeugnis zu strken. Dies geschieht durch Besttigungen durch den Heiligen Geist bei alltglichen Erlebnissen. Obwohl eine gro?e Offenbarung euer Zeugnis strken knnte, wird es wahrscheinlich nicht auf diese Weise geschehen.

Dadurch, dass wir das Priestertum tragen, werden uns gro?e Segnungen zuteil. Mit dem Priestertum sind aber auch gro?e Pflichten verknpft.

<dl><dd>1. Alle Priestertumstrger mssen ihre Berufung gro? machen und so weit im Namen des Herrn handeln, wie ihr Amt und ihre Berufung es erlauben. Wir machen unsere Berufung gro?, wenn wir den Anweisungen der Kollegiumsprsidentschaft, des Bischofs und unseres Kollegiumsberaters folgen. Das hei?t: Vorbereiten, Segnen und Austeilen des Abendmahls, so wie es von uns verlangt wird. Das hei?t auch, dass wir andere Aufgaben des Aaronischen Priestertums, wie zum Beispiel das Gemeindehaus reinigen, Sthle fr die Pfahlkonferenz und andere Versammlungen der Kirche aufstellen und andere Pflichten, fr die wir eingeteilt werden, erfllen.</dd><dd>2. Wer das Aaronische oder das vorbereitende Priestertum trgt, ist verpflichtet, sich auf das hhere Priestertum und auf andere Aufgaben in der Kirche vorzubereiten.</dd><dd>3. Wenn man das Aaronische Priestertum trgt, ist man verpflichtet, ein gutes Vorbild zu sein, reine Gedanken zu haben und sich ordentlich zu benehmen. Wir eignen uns diese Eigenschaften an, indem wir unsere Priestertumspflichten ausben.</dd><dd>4. In eurem Kollegium und bei anderen Unternehmungen seid ihr mit anderen jungen Mnnern zusammen, die sich an die gleichen Ma?stbe halten. Ihr knnt euch gegenseitig strken.</dd><dd>5. Ihr knnt die Schriften studieren und Grundstze des Evangeliums lernen, die euch bei eurer Vorbereitung auf die Mission helfen werden.</dd><dd>6. Ihr knnt lernen, wie man betet und die darauf folgenden Antworten erkennt.</dd></dl>

Im Buch Lehre und Bndnisse werden die unterschiedlichen Arten der Vollmacht im Aaronischen Priestertum beschrieben. Erstens: Die Ordinierung zum Priestertum verleiht die Vollmacht, die Verordnungen zu vollziehen und die Macht des Aaronischen Priestertums innezuhaben. Die Bischofschaft ist die Prsidentschaft des Aaronischen Priestertums in der Gemeinde.10 Zweitens: Das Priestertum ist in verschiedene mter unterteilt, wobei jedes verschiedene Aufgaben und Rechte hat. Die Diakone sollen ber die Kirche wachen und ortsstndige geistliche Diener sein.11 Ein Lehrer ist neben dem Wachen ber die Kirche auch verpflichtet, „bei ihnen zu sein und sie zu strken“.12 Die Aufgabe des Priesters ist es, „zu predigen, zu lehren, zu erlutern, zu ermahnen und zu taufen und das Abendmahl zu segnen und das Haus eines jeden Mitgliedes zu besuchen“.13 Euer Bischof, der das Amt eines Hohen Priesters innehat, ist gleichzeitig auch der Prsident des Priesterkollegiums und leitet die Arbeit des Kollegiums.

Wenn ihr von einem dieser mter des Aaronischen Priestertums zu dem nchsten ordiniert werdet, behaltet ihr die Vollmacht des vorherigen. So haben beispielsweise die Priester unter euch auch die Vollmacht, all das zu tun, was sie schon als Diakone und Lehrer getan haben. Selbst wenn ihr letztendlich zum Melchisedekischen Priestertum ordiniert werdet, habt ihr die mter des Aaronischen Priestertums nach wie vor inne. Der verstorbene Elder LeGrand Richards, der lange Zeit dem Kollegium der Zwlf angehrte, hat diesen Grundsatz genau verstanden. Er sagte des fteren: „Ich bin nur ein erwachsener Diakon.“

Wie ich schon zuvor erwhnt habe, ist das Lehren eine der wichtigen Aufgaben des Aaronischen Priestertums. Ihr Teenager habt hufig die Gelegenheit, andere zu unterweisen, wenn ihr mit eurem Vater oder einem anderen Trger des Melchisedekischen Priestertums heimlehren geht. Sich um die zeitlichen und geistigen Bedrfnisse zu kmmern, ist ein wichtiger Teil der Aufgabe, „ber die Kirche zu wachen“.

Prsident Joseph Smith legte gr?ten Wert auf das Heimlehren. Ein gewisser Bruder Oakley war der Heimlehrer des Propheten, und Folgendes geschah jedes Mal, wenn er zum Heimlehren zu den Smiths kam: Der Prophet rief seine Familie zusammen, er berlie? Oakley seinen Stuhl und sagte seiner Familie, sie solle Bruder Oakley aufmerksam zuhren.14

Ihr jungen Mnner des Aaronischen Priestertums msst den Heiligen Geist in eurem Privatleben genau wie beim Heimlehren, Vorbereiten und Austeilen des Abendmahls oder anderen Priestertumsaktivitten stets bei euch haben. Ihr msst einige Stolpersteine meiden. Einer der gr?ten ist die Sucht.

Ich rate allen Brdern, jegliche Art von Sucht zu meiden. Der Satan und seine Anhnger versklaven stndig einige unserer wunderbaren jungen Menschen durch die Sucht nach Alkohol, allen mglichen Drogen, Pornografie, Tabak, Glcksspiel und durch andere zwanghafte Verhaltensstrungen. Einige Menschen scheinen mit einer Schwche fr diese Substanzen geboren zu sein, sodass ein einmaliges Ausprobieren eine unkontrollierbare Abhngigkeit zur Folge hat. Einige Arten der Sucht wirken bewusstseinsverndernd und schaffen eine Begierde, die strker ist als Vernunft und Urteilsvermgen. Diese Abhngigkeiten zerstren nicht nur das Leben derer, die ihnen nicht widerstehen, sondern auch das ihrer Eltern, Ehepartner und Kinder. So klagte der Prophet Jeremia: „Kein Knig eines Landes, kein Mensch auf der Erde, htte jemals geglaubt, dass ein Bedrnger und Feind durchschritte die Tore.“15

Der Herr hat uns in seiner Weisheit geboten, Substanzen, die nicht gut fr uns sind, ganz zu meiden. Wir wurden davor gewarnt, auch nur ein Glas Alkohol zu trinken, auch nur eine Zigarette zu rauchen oder auch nur eine Droge anzurhren. Neugier und Gruppenzwang sind egoistische Grnde, um mit abhngig machenden Substanzen zu experimentieren. Wir mssen innehalten und smtliche Konsequenzen bedenken – nicht nur die fr uns selbst und unsere Zukunft, sondern auch die fr unserer Lieben. Diese Konsequenzen sind krperlicher Art, aber dadurch besteht das Risiko, dass wir den Geist verlieren und letztendlich dem Satan in die Hnde fallen.

Ich bezeuge, dass das Priestertum einen luternden, geistigen, trstenden, strkenden und zgelnden Einfluss auf mein Leben gehabt hat. Ich habe mein ganzes Leben lang unter seinem geistigen Einfluss gelebt – im Haus meines Gro?vaters, im Haus meines Vaters und dann in meinem eigenen Haus. Es stimmt einen demtig, die alles durchstrmende Macht und Vollmacht des Priestertums anzuwenden, um anderen Kraft zu geben, sie zu segnen und zu heilen. Mgen wir immer so wrdig leben, dass wir die Priestertumsvollmacht, im Namen Gottes zu handeln, tragen knnen. Das erbitte ich im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. Nach dem Original von Laird Roberts, „Wasser und Brot“, Der Stern, November 1984, Seite 40f.
  2. 1 Petrus 2:9
  3. Siehe LuB 84:18
  4. LuB 84:26
  5. LuB 13:1
  6. Gospel Doctrine, 5. Auflage, 1939, Seite 436
  7. Siehe Mosia 27:8-24
  8. Alma 5:46
  9. 1 Nephi 7:10
  10. Siehe LuB 107:15
  11. Siehe LuB 84:111; siehe auch LuB 20:57-59
  12. LuB 20:53
  13. LuB 20:46,47
  14. Siehe William G. Hartley, „Ordained and Acting Teachers in the Lesser Priesthood, 1851–1883“, Brigham Young University Studies, Frhjahr 1976, Seite 384
  15. Klagelieder 4:12