Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

176th Annual General Conference, April 2006

Die Gabe der Entscheidungsfreiheit

Elder Wolfgang H. Paul
von den Siebzigern

Wenn wir die Gebote unseres himmlischen Vaters befolgen, nimmt unser Glaube zu, wir wachsen an Weisheit und geistiger Strke, und es fllt uns leichter, uns richtig zu entscheiden.

Vor einiger Zeit fuhr ich im Auto und musste an einer roten Ampel halten. Das Fahrzeug vor mir zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Auf einem Aufkleber stand: „Ich tue, was ich will.“

Ich war erstaunt, dass jemand solch eine Aussage auf sein Auto klebt. Welche Botschaft wollte der Fahrer damit aussenden? Vielleicht wollte er ffentlich kundtun, dass er absolute Freiheit erreicht hat, indem er nur das tut, was er will. Als ich darber nachdachte, kam mir zu Bewusstsein, dass es in unserer Welt sehr chaotisch sein wrde, wenn jeder nur das tte, was er will.

Offensichtlich herrscht in unserer Gesellschaft einige Verwirrung ber dieses Thema. In den Medien, der Werbung, der Unterhaltungsbranche und auch sonst finden wir die Vorstellung weit verbreitet, wenn jemand tun knne, was er will, bes?e er Freiheit und sei somit glcklich. Uns wird vermittelt, die einzigen Kriterien, die unsere Entscheidungen bestimmen, seien das, was uns gefllt, das, was Spa? macht, oder das, was unseren persnlichen Wnschen entgegenkommt.

Unser himmlischer Vater hat uns ein besseres Konzept gegeben. Es ist sein gro?er Plan des Glcklichseins, der uns zu wahrer Freiheit und wahrem Glck verhilft. Wir lesen im Buch Mormon:

„Und der Messias kommt, wenn die Zeit erfllt ist, damit er die Menschenkinder vom Fall erlse. Und weil sie von Fall erlst sind, so sind sie fr immer frei geworden und knnen Gut von Bse unterscheiden; sie knnen fr sich selbst handeln und mssen nicht auf sich einwirken lassen, au?er durch die Strafe des Gesetzes am gro?en und letzten Tag, gem? den Geboten, die Gott gegeben hat.

Darum sind die Menschen gem? dem Fleische frei; und alles ist ihnen gegeben, was fr den Menschen notwendig ist. Und sie sind frei, um Freiheit und ewiges Leben zu whlen durch den gro?en Mittler fr alle Menschen oder um Gefangenschaft und Tod zu whlen gem? der Gefangenschaft und Macht des Teufels; denn er trachtet danach, dass alle Menschen so elend seien wie er selbst.“1

Als wir in diese Welt kamen, brachten wir aus unserem himmlischen Zuhause diese Gabe Gottes und dieses Vorrecht mit, welches wir als die Entscheidungsfreiheit kennen. Sie verleiht uns das Recht und die Macht, Entscheidungen zu treffen und whlen zu knnen. Die Entscheidungsfreiheit ist ein ewiges Gesetz. Prsident Brigham Young hat darber Folgendes gesagt: „Das ist ein Gesetz, das schon seit aller Ewigkeit besteht und das auch weiterhin in alle Ewigkeiten bestehen wird. Jedes intelligente Wesen muss die Mglichkeit haben, sich zu entscheiden.“2

Prsident Wilford Woodruff sagte zum selben Thema: „Diese Entscheidungsfreiheit hatte der Mensch unter der Herrschaft und Regierung Gottes schon immer. Er besa? sie im Himmel der Himmel vor der Grundlegung der Welt, und der Herr erhielt sie aufrecht und verteidigte sie dort gegen den Angriff Luzifers und seiner Anhnger. Dank dieser Entscheidungsfreiheit sind Sie und ich und alle Menschen verantwortliche Wesen – verantwortlich fr den Weg, den wir einschlagen, fr das Leben, das wir fhren, und fr unsere Taten.“3

Als der Herr den Abraham ber die ewige Natur der Geister belehrte und ihm sagte, dass er schon erwhlt war, ehe er geboren wurde, erklrte er ihm auch einen wichtigen Zweck des Erdenlebens. Er sagte: „Und wir wollen sie hierdurch prfen und sehen, ob sie alles tun werden, was auch immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet.“4

Demnach macht unsere Entscheidungsfreiheit unser Leben auf Erden zu einer Prfungszeit. Wenn wir diese wundervolle Gabe nicht htten, wren wir nicht imstande, unserem Vater im Himmel zu zeigen, ob wir alles tun, was er uns geboten hat.

Damit wir unsere Entscheidungsfreiheit anwenden knnen, mssen wir die Erkenntnis von Gut und Bse besitzen und frei whlen drfen, und nachdem wir von unserer Entscheidungsfreiheit Gebrauch gemacht haben, muss unsere Wahl auch Folgen haben.

Ich habe gelernt: Wenn wir die Gebote unseres himmlischen Vaters befolgen, nimmt unser Glaube zu, wir wachsen an Weisheit und geistiger Strke, und es fllt uns leichter, uns richtig zu entscheiden.

Unser gro?es Vorbild, der Herr Jesus Christus, gab uns allen ein vollkommenes Beispiel, wie man seine Entscheidungsfreiheit anwenden soll. Als uns im Rat im Himmel der Plan unseres himmlischen Vaters vorgestellt wurde, der uns die Gelegenheit gab, auf diese Erde zu kommen und einen Krper zu erhalten, sagte der geliebte Sohn, der von Anfang an der Geliebte und Erwhlte seines Vaters war, zu ihm: „Vater, dein Wille geschehe, und die Herrlichkeit sei dein immerdar.“5

Genau nach denselben Gesichtspunkten sollten auch wir unsere Entscheidungen treffen. Anstatt zu sagen: „Ich tue, was ich will“, sollte unser Motto lauten: „Ich tue, was der Vater von mir will.“

Wenn wir danach handeln, knnen wir sicher sein, dass der Segen des Herrn auf uns ruht. Es mag wohl sein, dass wir einige Entscheidungen treffen mssen, wenn es uns ungelegen kommt. Ich habe jedoch gelernt, dass selbst wenn uns manchmal in unserem Zeitplan etwas ungelegen kommt, der Herr sich auf seine eigene Weise um uns kmmert, wenn wir uns trotzdem richtig entscheiden und wir die Absichten des Herrn zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennen.

Als wir 1989 aus der Mission Hamburg in die DDR versetzt wurden, wo wir ber die Mission Dresden prsidieren sollten, kam dies unserer Familie eher ungelegen. Unsere Kinder hatten sich gerade an ihrer neuen Schule in Hamburg eingelebt und mussten sich nun mit dem sozialistischen Schulsystem der DDR vertraut machen. Eines der Kinder konnte noch nicht einmal mit uns umziehen, da es seinen Schulabschluss nur in Westdeutschland machen konnte. Trotzdem haben wir aus dieser Erfahrung gelernt, dass das, was uns am Anfang so schwer erschien, sich am Ende fr uns alle als gro?er Segen erwies. Der Herr hat seine eigenen Mittel und Wege, sich unserer Herausforderungen anzunehmen.

Meine lieben Brder und Schwestern, ich bin sehr dankbar fr die wunderbare Gabe der Entscheidungsfreiheit, die uns der Vater im Himmel gegeben hat. Ich bin dankbar, dass ich wei?, dass wir seine Kinder sind. Ich wei? aus vielen eigenen Erfahrungen, dass er uns liebt und dass er sich um uns sorgt. Ich wei?, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes, unser Erretter und Erlser ist. Ich wei?, dass der Prophet Joseph Smith den Vater und den Sohn gesehen hat und dass er der Prophet der Wiederherstellung ist. Ich wei?, dass Prsident Gordon B. Hinckley der jetzige Prophet Gottes ist.

Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. 2 Nephi 2:26,27
  2. Deseret News, 10. Oktober 1866, Seite 355
  3. Millennial Star, 14. Oktober 1889, Seite 642
  4. Abraham 3:25
  5. Mose 4:2