Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

176th Annual General Conference, April 2006

Das heilige Priestertum ist uns anvertraut

Prsident Thomas S. Monson
Erster Ratgeber in der Ersten Prsidentschaft

Das Priestertum ist nicht so sehr ein Geschenk, sondern vielmehr ein Auftrag zum Dienen, das Vorrecht, jemanden aufrichten zu knnen, und die Mglichkeit, anderen ein Segen zu sein.

Vor einigen Jahren, kurz bevor unser jngster Sohn Clark zwlf wurde, verlie?en wir beide gerade das Verwaltungsgebude der Kirche, als Prsident Harold B. Lee auf uns zukam und uns begr?te. Ich erwhnte, dass Clark bald zwlf werden wrde, worauf sich Prsident Lee ihm zuwandte und ihn fragte: „Was geschieht denn mit dir, wenn du zwlf wirst?“

Es war einer jener Augenblicke, in denen man als Vater betet, dem Sohn mge die richtige Antwort einfallen. Ohne zu zgern sagte Clark zu Prsident Lee: „Ichwerde zum Diakon ordiniert!“

Das war genau die Antwort, fr die ich gebetet hatte und die Prsident Lee hatte hren wollen. Er legte unserem Sohn ans Herz: „Denk immer daran, dass es ein gro?er Segen ist, das Priestertum zu tragen.“

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass jeder junge Mann, der das Priestertum empfngt, es ehrt und das Vertrauen rechtfertigt, das ihm mit der bertragung des Priestertums entgegengebracht wird. Mgen wir alle, die wir das Priestertum Gottes tragen, wissen, woran wir glauben. Mgen wir, wie der Apostel Petrus uns ermahnt hat, stets bereit sein, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfllt“.1 Jeder von uns wird es immer wieder erleben, dass er seinen Glauben erklren oder verteidigen muss. Wenn unser Knnen gefordert wird, ist die Zeit der Vorbereitung vorbei.

Die meisten von euch jungen Mnnern werden die Gelegenheit haben, als Missionare in aller Welt Zeugnis zu geben. Bereitet euch jetzt auf diese wunderbare Mglichkeit vor.

Ich hatte oft Gelegenheit dazu. Beispielsweise vor 21 Jahren, als in Ostdeutschland – oder der DDR, wie es damals hie? – noch der Sozialismus herrschte. Damals kam ich mit dem ostdeutschen Staatssekretr fr Kirchenfragen, Minister Gysi, zusammen. Wir bauten zu der Zeit den Tempel in Freiberg sowie zwei oder drei Gemeindehuser. Minister Gysi und ich sprachen ber verschiedene Themen, darunter unser weltweites Bauprogramm. Danach fragte er: „Warum ist Ihre Kirche so reich, dass Sie es sich leisten knnen, in unserem Land und berall auf der Welt Gebude zu errichten? Woher haben Sie das Geld?“

Ich antwortete, dass die Kirche nicht reich sei, sondern dass wir den alten biblischen Grundsatz des Zehnten befolgten, der in unseren neuzeitlichen heiligen Schriften erneut bekrftigt wird. Au?erdem erklrte ich, dass es in unserer Kirche keine bezahlten Geistlichen gibt, und deutete an, dass dies zwei Grnde seien, warum wir all diese Neubauten errichten konnten, darunter den wunderschnen Tempel in Freiberg.

Minister Gysi war beeindruckt von dem, was ich ihm mitteilte, und ich war sehr dankbar, dass ich seine Fragen beantworten konnte.

Die Gelegenheit, einen wahren Grundsatz zu verknden, kommt vielleicht dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. Bereiten wir uns vor!

Einmal wurde Prsident David O. McKay von einer Frau, die kein Mitglied der Kirche war, gefragt, durch welchen Glaubensgrundsatz sich die Lehre der Kirche von der Lehre aller anderen Religionen unterscheide. Spter erzhlte Prsident McKay, dass er sich zu der folgenden Antwort inspiriert gefhlt hatte: „Meine Kirche unterscheidet sich von den anderen Kirchen in der Hauptsache dadurch, dass wir an Vollmacht von Gott durch direkte Offenbarung glauben.“2

Was wre ein bezeichnenderes Beispiel fr Vollmacht von Gott durch direkte Offenbarung als die Ereignisse, die sich an jenem „strahlend schnen Morgen in den ersten Frhlingstagen achtzehnhundertundzwanzig“ zutrugen, als der junge Joseph Smith in den Wald ging, um zu beten. Mit beeindruckenden Worten beschreibt er diesen Augenblick in der Geschichte: „Ich [sah] zwei Personen von unbeschreiblicher Helle und Herrlichkeit ber mir in der Luft stehen. Eine von ihnen redete mich an, nannte mich beim Namen und sagte, dabei auf die andere deutend: Dies ist mein geliebter Sohn. Ihn hre!“3

Wir denken auch an das Erscheinen eines weiteren himmlischen Boten, nmlich Johannes des Tufers, am 15. Mai 1829. Am Ufer des Susquehanna bei Harmony in Pennsylvania legte er Joseph Smith und Oliver Cowdery die Hnde auf und ordinierte sie mit den Worten: „Euch, meinen Mitknechten, bertrage ich im Namen des Messias das Priestertum Aarons, das die Schlssel des Dienstes von Engeln und die des Evangeliums der Umkehr und die der Taufe durch Untertauchen zur Sndenvergebung innehat.“4 Der Bote sagte, er handle auf Weisung von Petrus, Jakobus und Johannes, die die Schlssel des Melchisedekischen Priestertums innehtten. Dann folgten die Ordinierung und die Taufe. Dies ist ein weiteres Beispiel fr Vollmacht von Gott durch direkte Offenbarung.

Zur bestimmten Zeit wurden dann Petrus, Jakobus und Johannes gesandt, um das Melchisedekische Priestertum zu bertragen. Diese Apostel, die der Herr gesandt hatte, ordinierten und besttigten Joseph Smith und Oliver Cowdery zu Aposteln und damit zu besonderen Zeugen fr den Namen Jesu Christi. Vollmacht von Gott durch direkte Offenbarung kennzeichnete auch diese Erscheinung.

Infolge dieser Ereignisse wird von uns gefordert – und das ist ein Segen und eine feierliche Pflicht –, dass wir das in uns gesetzte Vertrauen rechtfertigen.

Prsident Brigham Young hat dazu gesagt: „Das Priestertum des Sohnes Gottes ist das Gesetz, durch das die Welten sind und waren und fr immer und immer sein werden.“5 Prsident Joseph F. Smith sagt dazu weiter: „Es ist nicht mehr und nicht weniger als die dem Menschen bertragene Macht Gottes, die ihn befhigt, hier auf der Erde zur Errettung der Menschheit zu wirken und dabei rechtm?ig im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu handeln und nicht, indem er sich diese Vollmacht anma?t oder sich auf lngst vergangene Generationen beruft, sondern mit der Vollmacht, die in unserer Zeit von dienenden Engeln und Geistern aus dem Himmel, direkt aus der Gegenwart des allmchtigen Gottes, gegeben wurde.“6

Als ich mich meinem 18. Geburtstag nherte und mich auf den Militrdienst im Zweiten Weltkrieg vorbereitete, wurde ich fr das Melchisedekische Priestertum vorgeschlagen. Mir fiel die Aufgabe zu, Prsident Paul C. Child, meinen Pfahlprsidenten, wegen eines Gesprchstermins anzurufen. Er war ein Mensch, der die heiligen Schriften liebte und verstand, und ihm lag sehr daran, dass auch alle anderen sie vergleichbar liebten und verstanden. Ich hatte bereits von ausfhrlichen und tiefschrfenden Gesprchen mit ihm gehrt, und so lief es am Telefon etwa folgenderma?en ab:

„Hallo, Prsident Child! Hier spricht Bruder Monson. Der Bischof hat mir gesagt, ich soll mich mit Ihnen treffen, weil ich zum ltesten ordiniert werden soll.“

„Schn, Bruder Monson. Wann haben Sie Zeit?“

Ich wusste, dass er um vier zur Abendmahlsversammlung musste, und da ich vermeiden wollte, dass er meine Schriftkenntnisse allzu genau unter die Lupe nahm, schlug ich vor: „Wie wre es um drei?“

Darauf erwiderte er: „Ach, Bruder Monson, da bleibt uns viel zu wenig Zeit, uns die heiligen Schriften anzusehen. Kommen Sie doch bitte um zwei und bringen Sie Ihre markierten Schriften mit!“

Schlie?lich kam der Sonntag, und ich suchte Prsident Child zu Hause auf. Ich wurde herzlich begr?t, und dann begann das Gesprch. Er sagte: „Bruder Monson, Sie tragen das Aaronische Priestertum.“ Das war allerdings richtig. „Haben Ihnen jemals Engel gedient?“, fuhr er fort.

Darauf meine Antwort: „Da bin ich mir nicht sicher.“

„Wissen Sie denn nicht“, sagte er, „dass Sie ein Anrecht auf den Dienst von Engeln haben?“

Meine Antwort: „Nein!“

Dann wies er mich an: „Bruder Monson, sagen Sie mir auswendig den 13. Abschnitt des Buches Lehre und Bndnisse auf.“

Ich begann: „Euch, meinen Mitknechten, bertrage ich im Namen des Messias das Priestertum Aarons, das die Schlssel des Dienstes von Engeln “

„Halt“, sagte Prsident Child. Dann fgte er in einem freundlichen und ruhigen Ton hinzu: „Bruder Monson, vergessen Sie niemals, dass Sie als Trger des Aaronischen Priestertums ein Anrecht auf den Dienst von Engeln haben. Und nun bitte weiter.“

Daraufhin sagte ich aus dem Gedchtnis den restlichen Abschnitt auf. „Ausgezeichnet!“, meinte Prsident Child und ging dann mit mir noch verschiedene andere Abschnitte aus dem Buch Lehre und Bndnisse durch, in denen es um das Priestertum geht. Es war ein langes Gesprch, aber ich habe es nie vergessen. Zum Abschluss legte mir Prsident Child den Arm auf die Schulter und sagte: „Jetzt sind Sie bereit, das Melchisedekische Priestertum zu empfangen. Vergessen Sie nicht, dass der Herr einen jeden segnet, der ihm dient.“

Viele Jahre spter besuchte Paul C. Child, der inzwischen dem Priestertums-Wohlfahrtskomitee angehrte, zusammen mit mir eine Pfahlkonferenz. Als er bei der Priestertumsfhrerschaftsversammlung an der Reihe war und sprechen sollte, nahm er seine heiligen Schriften in die Hand und ging vom Podium hinunter zu den Versammelten. Da ich Prsident Child ja kannte, wusste ich schon, was er vorhatte. Er zitierte aus dem Buch Lehre und Bndnisse, darunter auch aus Abschnitt 18, wo es um den Wert einer Seele geht, und wies darauf hin, dass wir uns alle Tage abmhen mssen, dem Herrn Seelen zuzufhren. Daraufhin wandte er sich einem der ltestenkollegiumsprsidenten zu und fragte ihn: „Was ist der Wert einer Seele?“

Verblfft hielt der Kollegiumsprsident eine Weile inne, um sich seine Antwort zurechtzulegen. Von Herzen betete ich darum, dass ihm die richtige Antwort einfallen mge. Schlie?lich sagte er: „Der Wert einer Seele besteht darin, dass sie fhig ist, wie Gott zu werden.“

Bruder Child schloss seine heiligen Schriften und schritt feierlich und leise den Gang zurck zum Podium. Als er an mir vorbeikam, sagte er: „Eine sehr tiefgrndige Antwort!“

Wir alle mssen den Eid und Bund des Priestertums kennen, denn er gilt fr uns alle. Jedem, der das Melchisedekische Priestertum trgt, wird damit gesagt, dass es ihm obliegt, Gottes Gesetze treu zu befolgen und die Berufungen gro? zu machen, die ihm bertragen werden. Jedem Trger des Aaronischen Priestertums wird gesagt, welche Pflichten und Aufgaben auf ihn warten, damit er sich hier und jetzt darauf vorbereiten kann.

Der Herr beschreibt den Eid und Bund des Priestertums wie folgt:

„Denn diejenigen, die treu sind, sodass sie diese zwei Priestertmer erlangen, von denen ich gesprochen habe, und ihre Berufung gro? machen, werden vom Geist geheiligt, sodass sich ihr Krper erneuern wird.

Sie werden Shne Moses und Aarons und Nachkommen Abrahams und die Kirche und das Reich und die Auserwhlten Gottes.

Und alle, die dieses Priestertum empfangen, die empfangen auch mich, spricht der Herr; denn wer meine Knechte empfngt, der empfngt mich; und wer mich empfngt, der empfngt meinen Vater; und wer meinen Vater empfngt, der empfngt meines Vaters Reich; darum wird ihm alles gegeben werden, was mein Vater hat.“7

Der mittlerweile verstorbene Elder Delbert L. Stapley vom Kollegium der Zwlf Apostel hat einmal gesagt: „Dieser Eid und Bund ist hauptschlich an zwei Bedingungen geknpft. Die erste ist Glaubenstreue, nmlich Gehorsam gegenber Gottes Gesetzen und letztlich das Befolgen aller Evangeliumsgrundstze.

Die zweite Bedingung ist, dass man seine Berufung gro? macht. Das bedeutet, dass man sie ehrt, erhht und verherrlicht und dafr sorgt, dass sie noch mehr geschtzt und geachtet wird. Es bedeutet auch, dass man sie an Bedeutung gewinnen lsst, dass man sie ausweitet.“8

Der Prophet Joseph Smith wurde einmal gefragt: „Bruder Joseph, du forderst uns immer wieder auf, unsere Berufung gro? zu machen. Was bedeutet das?“ Darauf soll er geantwortet haben: „Eine Berufung gro? zu machen bedeutet, dass man sie wrdig erfllt und wichtig nimmt, damit die Menschen durch das, was man tut, das Licht des Himmels sehen knnen. Ein ltester macht seine Berufung gro?, wenn er lernt, was einem ltesten obliegt, und dann entsprechend handelt.“

Diejenigen, die das Aaronische Priestertum tragen, mssen die Mglichkeit erhalten, ihre Berufung in diesem Priestertum gro? zu machen.

Vor zwei Jahren besuchte ich an einem Sonntag die Abendmahlsversammlung meiner Gemeinde. Das kommt selten vor. Am Abendmahlstisch sa?en drei Priester. Der junge Mann in der Mitte war etwas in seiner Bewegung behindert, vor allem aber auch beim Sprechen. Zweimal versuchte er, das Brot zu segnen, aber er kam immer wieder ins Stocken, sicher auch aus Verlegenheit, weil er das Gebet nicht richtig sprechen konnte. Einer der anderen Priester machte fr ihn weiter und segnete das Brot.

Als das Brot ausgeteilt wurde, dachte ich: „Es darf nicht sein, dass dieser junge Mann am Abendmahlstisch scheitert.“ Ich sprte deutlich, dass es ihm gelingen wrde, das Wasser richtig zu segnen, wenn ich nicht zweifelte. Da ich auf dem Podium in der Nhe des Abendmahlstisches sa?, lehnte ich mich zu dem Priester hinber, der mir am nchsten war, zeigte auf den jungen Mann, der die Schwierigkeiten gehabt hatte, und sagte: „Lass ihn das Wasser segnen, das Gebet ist krzer.“ Und dann betete ich. Ich wollte nicht, dass er wieder versagt. Wie sehr mag ich doch die Schriftstelle, wo steht, dass wir nicht zweifeln, sondern glubig sein sollen!9

Als das Wasser gesegnet werden sollte, kniete der junge Mann sich noch einmal nieder und sprach das Gebet, vielleicht etwas stockend, aber ohne ein Wort auszulassen. Ich freute mich im Stillen. Whrend die Diakone das Abendmahl austeilten, sah ich den Jungen an und zeigte mit dem Daumen nach oben. Er dankte mir mit einem breiten Lcheln. Als sich die jungen Mnner wieder zu ihrer Familie setzen durften, sa? er zwischen seiner Mutter und seinem Vater. Ich freute mich sehr, als ich sah, dass seine Mutter ihn mit einem frohen Lcheln herzlich umarmte und auch sein Vater ihm gratulierte und ihm den Arm um die Schulter legte. Alle drei blickten in meine Richtung, und ich zeigte noch einmal mit dem Daumen nach oben. Ich sah, dass sich die Mutter und der Vater Trnen aus den Augen wischten. Ich versprte Zuversicht, dass dieser junge Mann in Zukunft seine Sache gut machen wrde.

Das Priestertum ist nicht so sehr ein Geschenk, sondern vielmehr ein Auftrag zum Dienen, das Vorrecht, jemanden aufrichten zu knnen, und die Mglichkeit, anderen ein Segen zu sein.

Vor kurzem erhielt ich einen Brief mit einem Bericht ber einen gro?artigen jungen Diakon, Isaac Reiter, und die Diakone, Lehrer und Priester, die ihm dienten, ihn aufrichteten, ihm ein Segen waren und dabei auch selbst gesegnet wurden.

Seit Isaac sieben Monate alt war bis zu seinem Tod im Alter von 13 Jahren kmpfte er gegen den Krebs. Als er und seine Familie in die Nhe eines Krankenhauses zogen, damit Isaac die notwendige rztliche Betreuung erhielt, wurden die Trger des Aaronischen Priestertums in der Gemeinde vor Ort darum gebeten, ihnen jeden Sonntag das Abendmahl zu bringen. Diesem wchentlichen Dienst kamen die jungen Mnner, die sich daran beteiligten, bald sehr gerne nach. Mit ihren Priestertumsfhrern und Isaacs Familie scharten sie sich um Isaacs Bett im Krankenhaus, sangen Kirchenlieder und gaben Zeugnis. Dann wurde das Abendmahl gesegnet. Isaac bestand immer darauf, dass er, als Diakon, seiner Familie und allen, die gekommen waren, das Abendmahl reichen durfte. Er lag im Bett und nahm alle Kraft zusammen, um das Tablett mit dem gesegneten Brot oder Wasser zu halten. Dann gingen alle Anwesenden zu Isaac und nahmen das Abendmahl von diesem Tablett. Bald nahmen auch Krankenschwestern und andere Krankenhausbedienstete an diesen Versammlungen teil. Sie erkannten, dass Isaac dem himmlischen Vater sehr nahe war und ihn immer ehrte. Obwohl Isaac sehr schwach war und Schmerzen litt, hielt er sich ehrenhaft, denn er trug ein knigliches Priestertum.

Isaac war den jungen Mnnern der Gemeinde ein gro?es Vorbild. Sie sahen seinen Wunsch, seine Pflicht zu erfllen, selbst als er dem Tod nahe war, und sie erkannten, dass diese Pflicht in Wirklichkeit ein Vorrecht war. Sie gingen frher zur Kirche, um das Abendmahl vorzubereiten und rechtzeitig auf ihrem Platz zu sitzen. Es herrschte mehr Andacht.

Isaac Reiter wurde zu einer lebendigen Predigt darber, wie man das Priestertum ehrt. Bei seiner Beerdigung sagte man, er sei sein ganzes Leben lang mit einem Bein im Himmel gewesen. Sicherlich macht er jenseits des Schleiers weiterhin seine Pflichten gro? und wirkt mit im Werk des Herrn.

Wir, die wir das Melchisedekische Priestertum tragen, haben stets die Mglichkeit, unsere Berufung gro? zu machen. Wir sind Hirten, die ber Israel wachen. Die hungrigen Schafe blicken auf und sind bereit, mit dem Brot des Lebens genhrt zu werden. Sind wir bereit, Brder, die Herde Gottes zu weiden? Es ist zwingend erforderlich, dass wir uns bewusst sind, was eine Menschenseele wert ist, und niemals einen seiner kostbaren Shne aufgeben.

Sollte sich jemand zu schwach fhlen, sich zu bessern, und zwar aus der gr?ten Furcht heraus, nmlich der Furcht, zu versagen, gibt es keine trstlichere Zusicherung als die Worte des Herrn: „Meine Gnade ist ausreichend fr alle Menschen, die sich vor mir demtigen; denn wenn sie sich vor mir demtigen und Glauben an mich haben, dann werde ich Schwaches fr sie stark werden lassen.“10

Wunder gibt es berall dort, wo eine Berufung im Priestertum gro? gemacht wird. Wenn der Glaube an die Stelle des Zweifels tritt, wenn selbstloses Dienen jedes selbstschtige Bestreben auslscht, dann bringt die Macht Gottes seine Absichten zuwege. Wen Gott beruft, den befhigt er auch.

Ich bete aufrichtig darum, dass der himmlische Vater alle, die sein kostbares Priestertum tragen, immer segnen, inspirieren und fhren mge, und ich sage dies im Namen Jesu Christi. Amen.


Notes

  1. 1 Petrus 3:15
  2. Siehe David O. McKay, Stepping Stones to an Abundant Life, Seite 375
  3. Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:14,17
  4. LuB 13:1
  5. Discourses of Brigham Young, Hg. John A. Widtsoe, 1954, Seite 130
  6. Gospel Doctrine, 5. Auflage, 1939, Seite 139f.
  7. LuB 84:33-38
  8. Frhjahrs-Generalkonferenz 1957
  9. Siehe Mormon 9:27
  10. Ether 12:27